Chenin Blanc in Israel

Chenin Blanc Trauben aus Israel

Die Geschichte eines Weinbergs, der fast verschwunden wäre

Bevor Ze’ev Dunie im Jahr 2000 das Weingut Seahorse in Bar Giyora gründete, kam er aus einer anderen Welt: dem Film. In den 1990er Jahren drehte er eine Dokumentation über Wein in Israel – ein Blick von außen, der seine Arbeit bis heute prägt.

Seine Weinberge liegen hoch oben in den Jerusalemer Bergen, auf rund 700 Metern. Eine karge, hochgelegene Landschaft, Teil der „Judean Hills“ – heute eine der ersten offiziell anerkannten Herkunftsregionen des Landes.

Von Anfang an suchte Dunie nicht das Naheliegende. Ihn interessierten die Rebsorten, die hier noch keinen festen Platz hatten. Während viele auf etablierte Rebsorten setzten, gehörte er zu den ersten, die in Israel bewusst andere Wege gingen: Zinfandel, die Rhône-Sorten – und schließlich Chenin Blanc. Rebsorten, die damals keinen festen Platz hatten und deren Potenzial hier erst entdeckt werden musste.

Die Geschichte dieses Weins beginnt nicht in Israel, sondern in Südafrika. Anfang 2007 befindet sich Dunie auf einem Flug von Tel Aviv nach Kapstadt. Es ist seine erste Reise nach Südafrika, wo er einen engen Freund wiedersehen wird. In den Wochen zuvor hat er sich erstmals intensiver mit südafrikanischen Weinen beschäftigt.

Im Online-Katalog von Berry Bros. entdeckt er ein Weingut: The Sadie Family. Es wirkt wie „sein Typ Weingut“. Er schreibt eine E-Mail – und erhält Antwort von Eben Sadie. Ein Treffen wird vereinbart. Rückblickend beginnt hier die Geschichte des Chenin Blanc in Israel.

Einige Tage später fahren sie zum Weingut. Zwei Stunden sind angesetzt. Man spricht, verkostet Weine aus dem Fass. Als die Zeit vorbei ist, lädt Eben spontan zum Mittagessen ein.

Am Tisch sitzen mehrere südafrikanische Winzer. Dunie spricht über seine Begeisterung für Chenin Blanc, den er in diesen Tagen zum ersten Mal probiert hat. Wenn er je Weißwein machen würde, sagt er, dann wohl Chenin Blanc.

Die Antwort kommt ruhig: Wenn es so weit ist, werde man kommen und helfen. Der Mann, der das sagt, ist Teddy Hall – einer der führenden Winzer Südafrikas.

Ze’ev prüft die Reife seiner Chenin Blanc Trauben

Wenige Monate später steht er tatsächlich bei Dunie im Hof. Doch zuvor beginnt die eigentliche Arbeit: die Suche nach geeigneten Reben. Schließlich findet Dunie einen alten Weinberg in der Küstenebene, gepflanzt in den 1970er Jahren. Die Reben sind über dreißig Jahre alt. Die Trauben werden bis dahin für Traubensaft verwendet.

Es wäre die letzte Lese gewesen. Der Besitzer plant, den Weinberg zu roden – die Erträge sinken, ein üblicher Schritt zu dieser Zeit. Was danach kommt, ist offen. Vielleicht eine andere Frucht, je nachdem, was der Markt verlangt.

Schließlich lässt er Dunie sechs Reihen. Ohne Bewässerung. Die Ernte ist minimal – kaum genug für zwei Fässer.

2008 kommt der erste Jahrgang auf den Markt – zu einem Zeitpunkt, an dem Chenin Blanc in Israel praktisch unbekannt ist. Und doch: Die wenigen hundert Flaschen sind in kürzester Zeit verkauft.

Der Besitzer des Weinbergs ist bereit, den Weinberg zu bewahren – allerdings nur, wenn Dunie die gesamte Fläche übernimmt. Mit einem Mal geht es nicht mehr um ein paar Reihen, sondern um einen ganzen Weinberg. Um eine Rebsorte, die in Israel noch keinen Platz hat.

Für Ze’ev Dunie ist das der Moment der Entscheidung. Er übernimmt den gesamten Weinberg und arbeitet zehn Jahre lang mit den alten Reben, die er „Old Ladies“ nennt.

Seitdem hat Chenin Blanc in Israel seinen Platz gefunden. Heute arbeiten mehrere Weingüter in Israel mit der Sorte – ganz zu schweigen von der großen Zahl importierter Weine. Bei Seahorse hat sich Chenin Blanc längst zum gefragtesten Wein entwickelt.

Der ursprüngliche Besitzer ist inzwischen im Ruhestand, und der Weinberg wurde an ein größeres Weingut verpachtet – eines, das bereit war, mehr zu bezahlen. Für Dunie ein schmerzhafter Moment, den er dennoch annehmen konnte.

Rückblickend ist Ze’ev Dunie überzeugt, dass seine Aufgabe eine andere war: diesen Weinberg zu retten. Dass ihn der Weg nach Südafrika geführt hat, zu Eben Sadie und Teddy Hall, erscheint ihm heute nicht zufällig – als hätte alles darauf hingeführt.

Heute wächst sein Chenin Blanc im eigenen, biologisch bewirtschafteten Weinberg in Bar Giyora, hoch oben in den Jerusalemer Bergen. Obwohl noch jung, hat dieser Weinberg, den er in hoher Dichte gepflanzt hat, eine ganz eigene Seele.

Er hat ihn dazu gebracht, auf Reinzuchthefen zu verzichten und sich ganz auf die natürlichen Hefen zu verlassen, die hier vorkommen.

In diesem Punkt hat er seinen Frieden gefunden – mit dem Gefühl, getan zu haben, was er tun sollte.

Ze’evs wunderschöne „alte Damen“