Biodynamischer Weinbau – was steckt eigentlich dahinter?
„Biodynamischer Weinbau ist ökologischer Weinbau erweitert um geistige und philosophische Aspekte.“
Das klingt im ersten Moment ein bisschen nach Hokuspokus.
Aber wenn viele der weltweit besten Weine nach biodynamischen Richtlinien entstehen, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Heute arbeiten weltweit über 600 Weingüter, davon rund 75 in Deutschland, biodynamisch.
Unsere Motivation war dabei sehr einfach:
Wir wollten herausfinden, ob Biodynamie dabei helfen kann, noch bessere Weine zu erzeugen.
Also haben wir angefangen, uns mit dieser zunächst etwas rätselhaften Welt zu beschäftigen. Nach einigen Jahren Erfahrung mit der Lehre Rudolf Steiners haben wir längst noch nicht alles verstanden – aber die ersten Ergebnisse motivieren uns, diesen Weg weiterzugehen.
Und weil wir im Weingut immer wieder gefragt werden, was es mit der Biodynamik eigentlich auf sich hat, möchten wir hier nach und nach verschiedene Aspekte unserer Arbeit erklären.
Wie alles begann
Die Biologisch-Dynamische Landwirtschaft entstand Anfang des 20. Jahrhunderts – als Antwort auf die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft.
Mit der Einführung mineralischer Stickstoffdünger begann ein Kreislauf, der viele Probleme auslöste.
Die Pflanzen wuchsen plötzlich extrem stark. Ihre Zellen wurden größer und weicher. Alte Getreidesorten mit hohen Halmen knickten um und wurden anfällig für Pilzkrankheiten. Gleichzeitig wuchsen auch Unkräuter kräftig mit, und die Pflanzen wurden stärker von Insekten befallen.
Die Lösung schien damals einfach: mehr Chemie.
Herbizide gegen Unkraut.
Fungizide gegen Pilzkrankheiten.
Insektizide gegen Schädlinge.
Ein System, das immer neue Probleme erzeugte.
Rudolf Steiner und ein anderer Blick auf Landwirtschaft
1924 hielt der Philosoph Rudolf Steiner eine Reihe von Vorträgen über die Zukunft der Landwirtschaft. Sie tragen den Titel:
„Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft“
Diese Vorträge bilden bis heute die Grundlage der biodynamischen Landwirtschaft.
Steiners Ansatz beginnt beim naturwissenschaftlichen Denken, erweitert dieses aber um eine zusätzliche Perspektive. Für Naturwissenschaftler ist nur wahr, was sich messen und mathematisch beweisen lässt. Steiner hingegen interessierte sich auch für Zusammenhänge, die sich nicht unmittelbar messen lassen.
Er erklärte das einmal mit einem einfachen Beispiel:
Ein Foto zeigt die äußere Gestalt eines Menschen.
Über seinen Charakter sagt es jedoch nichts aus.
So ähnlich betrachtete Steiner auch die Landwirtschaft: Das Sichtbare ist wichtig – aber nicht alles.
Demeter – das strengste Bio-Siegel
Seit dem Jahrgang 2017 ist unser Weingut Demeter-zertifiziert.
Der Demeter-Verband ist der älteste Bioverband Deutschlands. Schon seit 1924 arbeiten Demeter-Landwirte nach biodynamischen Prinzipien. Die Richtlinien gehen deutlich über die Vorgaben der EU-Öko-Verordnung hinaus. Viele betrachten Demeter deshalb als eine der nachhaltigsten Formen der Landwirtschaft.
Der Mond und die Natur
Dass der Mond Einfluss auf die Erde hat, ist wissenschaftlich unstrittig. Am deutlichsten sieht man das bei den Gezeiten der Meere.
Wir Menschen haben uns im Alltag weitgehend von diesen natürlichen Rhythmen entfernt. Wir machen die Nacht zum Tag und merken oft gar nicht mehr, wie sehr die Natur von Zyklen geprägt ist.
Bei Tieren lässt sich das viel deutlicher beobachten.
Zugvögel finden jedes Jahr den richtigen Zeitpunkt für ihre Reise nach Süden.
Viele Tiere legen rechtzeitig ein dichteres Winterfell an, wenn ein besonders kalter Winter bevorsteht.
Wenn solche Rhythmen das Verhalten von Tieren beeinflussen, liegt der Gedanke nahe, dass auch Pflanzen – und damit Weinreben – auf diese Kräfte reagieren.
Mondphasen im Weinberg
Ein Beispiel dafür ist der Rebschnitt.
Wir schneiden unsere Reben bevorzugt bei abnehmendem Mond. In dieser Phase ziehen sich die Pflanzensäfte stärker in Richtung Wurzel zurück.
Das hat einen praktischen Effekt:
Beim Schnitt tritt weniger Saft aus der Rebe aus. Die Pflanze verliert weniger Energie und kann sich besser regenerieren.
Man sagt auch: Die Reben können nicht „verbluten“, weil die Säfte nach unten absteigen.
Biodynamie bedeutet verstehen, nicht anwenden
Die Arbeit mit den Mondphasen ist nur ein kleiner Teil der biodynamischen Landwirtschaft.
Im Kern geht es darum,
- die natürlichen Rhythmen besser zu verstehen
- das Gleichgewicht im Weinberg zu stärken
- die Gesundheit der Böden zu fördern
- und den Reben möglichst gute Lebensbedingungen zu geben.
Für uns ist Biodynamie daher kein starres System, sondern eher eine Art zu beobachten und zu lernen.
Eine Reise durch das Weinjahr
Im Laufe des Jahres möchten wir Ihnen immer wieder Einblicke in unsere Arbeit geben. In unseren Weinbergen. Im Keller. Und in die Gedanken hinter unserer Arbeitsweise.
Denn letztlich geht es uns um eine ganz einfache Frage:
Wie entstehen Weine mit möglichst viel Ausdruckskraft und Charakter?
Die Biodynamie ist für uns ein Weg, dieser Frage näher zu kommen.

